Landtagsabgeordneter Arif Taşdelen begibt sich ins Dunkel

5.05.2015

Werner Prechter vom Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbund e.V., Arif Tasdelden und Berns Zeitler (v. l.) testen das Blindenleitsystem am Bahnhof in Nürnberg

Der Landtagsabgeordnete Arif Taşdelen informierte sich am 04.05.2015 über die aktuelle Situation von Blinden und sehbehinderten Menschen. Zwei Themen lagen dabei im Fokus. Die finanzielle Unterstützung von Kommunen beim barrierefreien Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, sowie der barrierefreie Zugang zu Ämtern und Behörden.

Zunächst machte sich Taşdelen bei einer Begehung mit einer Simulationsbrille persönlich mit dem Blindenleitsystem am Bahnsteig Friedrich-Ebert-Platz vertraut.

Für Nürnberg gibt es bereits ein fortschrittliches Blindenleitsystem, welches sich Betroffene auch in ländlicheren Regionen wünschen würden. Diese sind in Bayern jedoch leider noch die Ausnahme. Der Abgeordnete Taşdelen sieht die Kommunen hier alleine gelassen. „Wenn auch zukünftig keine zusätzlichen finanziellen Mittel bereitgestellt werden, sieht es schlecht aus für betroffene Menschen“.

Anstatt der versprochenen 200 Mio wurden vom Bayerischen Staatsministerium, für die kommenden 2 Jahre, lediglich 20. Mio zusätzliche Gelder bereitgestellt. Das reicht jedoch nicht ansatzweise kritisieren Oppositionsparteien. Um den Forderungen eines barrierefreien Bayern bis 2023 gerecht zu werden wären weitere 176 Mio. nötig.

Bei einem anschließenden Fachgespräch im Dunkelcafé, ging es unter anderem um die selbstbestimmte Lebensführung von Menschen mit Sehbehinderung. Betroffene sowie Herr Prechter, Bezirksgruppenleiter der Bezirksgruppe Mfr. und Herr Weber, Sozialabteilung Mittelfranken des Bayerischen Blinden und Sehbehindertenbundes e.V. (BBSB) bestätigten, dass Barrieren im Kontakt mit Ämtern und Behörden leider noch Gang und Gäbe sind.

Seit es seinen Beruf „Telefonist“ nicht mehr gibt ist Gustav* auf der Suche nach einem neuen Job. Die Kommunikation mit dem Jobcenter ist für den blinden Mann jedoch unmöglich. Formalitäten werden in der Behörde ausschließlich schriftlich geregelt. „Ich kann Briefe nicht lesen. Mit einem Anruf oder einer Mail könnte ich jedoch gut arbeiten.“ sagte der Betroffene. Individuelle Regelungen mit den jeweiligen Sachbearbeitern waren bisher jedoch aussichtslos!

„Die Gesellschaft braucht auch Barrierefreiheit in den Köpfen“ fordert Arif Taşdelen.

„Es sollte selbstverständlich sein, dass man mit blinden Menschen nicht per Post kommuniziert.“ Gemeinsam mit seinen Kolleginnen und Kollegen im Landtag, setzt sich der Abgeordnete dafür ein, Informationen und Angebote der Landesbehörden barrierefrei zugänglich zu machen.

*Name geändert