SPD-Landtagsabgeordneter Günther Knoblauch beim Selbstversuch Barrierefreiheit

9.07.2015

Bürgermeister, Bauamts- und Bauhofleiter sowie Behindertenbeauftragte aller großen Städte und Gemeinden der beiden Landkreise Altötting und Mühldorf durften am Bahnhof in Mühldorf den Selbstversuch wagen

Bis 2023 soll Bayern barrierefrei werden – dass damit aber nicht nur abgesenkte Bordsteine und Rampen statt Treppen gemeint sind, haben Brigitte Lindmeier, Bezirksgruppenleiterin des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes und Christine Degenhart, Sprecherin der Beratungsstelle Barrierefreiheit der Bayerischen Architektenkammer, auf Einladung des SPD-Landtagsabgeordneten Günther Knoblauch bei einem Ortstermin in Mühldorf erläutert. Die SPD-Landtagsfraktion organisiert unter dem Motto „Bayern Barrierefrei“ derzeit im gesamten Freistaat Aktionen, um auf die Belange von Menschen mit Behinderung hinzuweisen. „Dabei sind nicht nur Rollstuhlfahrer gemeint“, so Knoblauch, „ sondern auch Mütter mit Kinderwagen oder ältere Menschen, die nicht mehr so gut sehen und mit Rollator unterwegs sind.“

Bürgermeister, Bauamts- und Bauhofleiter sowie Behindertenbeauftragte aller großen Städte und Gemeinden der beiden Landkreise Altötting und Mühldorf durften am Bahnhof in Mühldorf den Selbstversuch wagen – mit dabei waren unter anderem die Bürgermeister von Mühldorf, Haag, Waldkraiburg und Neumarkt-St.-Veit. Mit Simulationsbrillen des Blinden- und Sehbehindertenbundes mussten sie im Selbstversuch die Straße überqueren, am Bahnhof das Gleis finden und Treppen steigen. Dabei wurden ein achtlos abgestelltes Fahrrad, ein zu weit auf dem Gehweg geparktes Auto und unmarkierte Treppenstufen zur Stolperfalle. Christian Kubasch von der Südostbayernbahn musste am vorbildlich behindertengerecht sanierten Bahnhof Mühldorf – ausgestattet mit einer „Grauer-Star-Simulationsbrille“ – feststellen, dass auf der weißen Leitlinie für Sehbehinderte Wartebänke und Abfallbehälter aufgestellt waren.

„Schneller als man denkt, kommt man in eine Lage, in der schon kleine Hürden im Alltag unüberwindbar werden“, betonte Günther Knoblauch, MdL. Bei der Beseitigung dieser Hürden komme den zentralen Orten in der Region Vorbildfunktion zu. Gerade bei der Planung seien die Kommunen wichtige Partner vor Ort, betonte Christine Degenhart, „nur gemeinsam können die Planer die beste Lösung erarbeiten.“ Für Sehbehinderte seien vor allem starke Kontraste und klare Kanten wichtig, erklärte sie.

„Das müssen wir bei der Bevölkerung viel stärker ins Bewusstsein rücken“, betonte Knoblauch. So könne ein täglich wechselnd aufgestellter Plakatständer eines Geschäftes, ein falsch geparktes Auto oder ein achtlos aufgestellter Tisch eines Restaurants schnell zur Stolperfalle werden. „Das müssen wir vermeiden, damit alle Menschen in der Gesellschaft die gleiche Lebensqualität haben.“ Der Freistaat darf aber nicht nur Barrierefreiheit ankündigen, so Knoblauch weiter, „er muss die Kommunen auch zusätzlich mit Geldmitteln ausstatten“.